Die Geschichte
Mittelalter Neumünster wurde im Jahre 1127 von dem Missionar und späteren Bischof von Oldenburg und Heiligen Vizelin gegründet, urkundlich erwähnt unter dem Namen "Wippendorf im Gau Faldera". Der heutige Name ist auf das von Vicelin erbaute Kloster "Novum Monasterium" (das "neue Münster") zurückzuführen. 1498 gründen Augustiner-Nonnen ein Kloster auf der so genannten Klosterinsel.
Frühe Neuzeit Für die Fischzucht und den Betrieb von Mühlen wird etwa 1503 durch Mönche erstmals die Schwale angestaut. Der Mühlenteich in der heutigen Innenstadt entsteht dabei. Ein Jahr darauf brennt der Flecken, heute Kleinflecken ab. 1637 kommt es in Neumünster zu einem Großbrand unbekannter Ursache, bei dem der Großteil aller Häuser vernichtet wird. Die große Zeit als Stadt für Tücher wurde 1760 mit Gründung der "Privilegierten Wollzeugfabrique" auf der Klosterinsel eingeleitet. Es ist überhaupt die erste Fabrik, die in Neumünster entsteht. Der Großflecken löste 1769 den Kleinflecken gänzlich als Marktplatz ab. Bis 1948 finden hier nun alle Märkte, darunter der seit 1764 einmal in der Woche erlaubte Markt, der vorher nur einmal im Jahr am Todestag von Johannes d. Täufer stattfand. 1780 kommt es zu einem weiteren Großbrand, der alle Häuser an der Plöner Straße und einen Teil der Häuser am Großflecken (insgesamt 46 Häuser) zu Asche verwandelt.
19. Jahrhundert Im Jahre 1808 nehmen spanisch-französische Truppen Quartier in Neumünster. Durch ihre hohen Ansprüche belasten sie die Stadt stark. Die Schulpflicht gibt es in Neumünster seit 1813. Zunächst wurden zwei "Vorbereitungsschulen" eingerichtet. Die Post, die ein großer Wirtschaftfaktor der Stadt ist, beschließt 1816 in Neumünster eine "Extrapoststation" und Anschlussstellen an die schnellen Postkutschen u.a. nach Kiel und Altona einzurichten. Täglicher Postverkehr wird kurz darauf eingeführt. Reiter und Kutscher liefern jeden Tag bis zu 5 Zustellungen. Der Tuchmacher Renck baut im gleichen Jahr die erste vollstufige Tuchfabrik auf und sammelt damit alle Produktionschritte im selben Haus. Auch 1817 entflammt ein Brand. Dieses Mal am Großflecken, wo einige Häuser zwischen Teich und Lütjenstraße den Flammen zum Opfer fallen. In Neumünster zieht die Industrialisierung 1824 ein, als die Tuchfabrik Renck eine Dampfmaschine aus England importiert. Nur drei Jahre später wird die gleiche Tuchfabrik von einem Feuer vernichtet, woraufhin 150 Menschen ihre Arbeit verlieren. Die Fabrik wird aber wieder aufgebaut und arbeitet noch bis 1884. Der Grundstein für die Vicelinkirche, wie sie heute am Kleinflecken zu sehen ist, wurde 1828 gelegt. Der Baumeister war F. Hansen. Gleichzeitig wird eine Armenschule für Kinder sozial schwacher Eltern eingerichtet. Es gibt auch eine sogenannte Fabrikschule für Kinder die Kinderarbeit verrichten müssen. Am 11. Mai 1834 wird die Vicelinkirche schließlich eingeweiht. Der Industrielle Renck setzt sich sehr für eine Eisenbahnverbindung zwischen Neumünster und Rendsburg ein. Zwar dauert es über fünf Jahre, am Ende ist der Fabrikant aber erfolgreich. 1845 geht die Strecke in Betrieb, nachdem 1844 die erste neumünsterraner Bahnverbindung überhaupt, die Strecke Kiel - Neumünster - Altona, eröffnet wurde. Um diese Zeit wird auch die Holstenschule als Privatschule für Jungen aus dem höheren Bürgerstand gegründet. Die Gründung der privaten höheren Mädchenschule, die heute Klaus-Groth-Schule heißt und seit 1925 staatlich ist, fällt genauso in diese Zeit. Nachdem am 20. Juli 1846 einige Kieler Professoren auf dem Großflecken die Bevölkerung dazu aufriefen, sich gegen die dänische Obrigkeit aufzulehnen, entsteht bis 1848 nach und nach das vaterländische Aufbegehren gegen die dänische Fremdherrschaft. Preußen gewährte Holstein und Schleswig jedoch nicht die erbetene Hilfe und so unterliegen die Fürstentümer zwischen den Meeren 1850 dem dänischen Herr. Die erste Wasserleitung beendet 1852 wenigstens teilweise den Zustand, dass Wasser weiterhin aus Brunnen oder Flüssen geholt werden muss. Der Renck's Park wird 1857 am südöstlichen Rand der Klosterinsel angelegt. Zunächst im Privatbesitz von Tuchfabrikanten, wird der Park erst 1921 allen Bürgern zugänglich gemacht. Möglich machte dies der Erwerb durch die Stadt im Jahr 1915. 1860 werden in Neumünster Hausnummern eingeführt. Ein Jahr darauf wird das Eisenbahnausbesserungswerk angesiedelt, das sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der stärksten Arbeitgeber in der Stadt entwickelt. Im Jahre 1870 erhält Neumünster das Stadtrecht. Die Entwicklung der Stadt im 19. Jahrhundert wird wesentlich geprägt durch die Textil-und Lederindustrie und den Ausbau zu einem Eisenbahnknotenpunkt im Herzen Holsteins. 1872 wird die erste ständige Garnison nach Neumünster verlegt. Nach dem Abzug im Jahre 1897 wird schließlich im Jahre 1899 das Infantrie-Regiment Nr. 163 in einer eigens hierfür errichteten Kaserne (spätere Sick-Kaserne) stationiert, wo es bis zur Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg verbleibt. Das erste große Waren- oder Kaufhaus siedelt sich 1891 an.
Entwicklung ab 1900 1901 wird Neumünster kreisfreie Stadt. 1903 wird die Volksbank eG Neumünster und 1910 die Badeanstalt in der Klosterstraße eröffnet. Im Ersten Weltkrieg ist Neumünster wegen seiner Tuch-, Leder- und auch Metallindustrie bedeutend. Im Steckrübenwinter 1917 verhungern dennoch viele Menschen. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wird Neumünster 1934 erneut Garnisonstadt. Das Infanterie-Regiment Nr. 46 und ein Teil des Artillerie-Regiments Nr. 66 beziehen die alte Sick- und die neue Hindenburg-Kaserne sowie die ebenfalls neu errichtete Scholtz-Kaserne. Zwischen 1935 und 1938 wird auf 240 ha im Westen der Stadt ein großer Militärflugplatz gebaut. Die Holstenhallen, heute eine moderne Mehrzweckhalle, in der unter anderem die jährliche Baumesse NordBau stattfindet, wird 1939 zunächst als Viehversteigerungshalle gebaut, dann aber als Flugzeugmontagehalle benutzt. Einen Bombenangriff aus der Luft erlebt Neumünster erstmals 1941. Bis zum 25. April 1945 folgen sieben weitere Luftangriffe, der schwerste davon am 13. April. 1945 wurde die Stadt kampflos den Briten übergeben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt Neumünster eine Flüchtlingsflut. 1947 hat Neumünster 66.945 Einwohner; davon sind 16.375 Vertriebene oder Flüchtlinge (also fast jeder vierte). Um dem daraus resultierenden Wohnraummangel zu begegnen, wird ab 1950 ein Großteil des Flugplatzgeländes in eine Neubausiedlung, den neuen Stadtteil Böcklersiedlung, umgewandelt. Diese wird benannt nach Hans Böckler, dem ersten DGB-Vorsitzenden, welcher zum Baubeginn persönlich den Grundstein setzt. Am 26. April 1970 findet die bislang letzte Erweiterung des Stadtgebietes von Neumünster mit der Eingemeindung von Einfeld, Gadeland und Tungendorf-Dorf statt, nachdem im Jahre 1938 bereits Wittorf, Brachenfeld und Tungendorf der Stadt zugeschlagen wurden. Die Einwohnerzahl erreicht damit ihren bisherigen Höchststand von rund 86.000 und die Stadtfläche verdoppelt sich auf 71,57 km⊃2;. Der wirtschaftliche Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg äußert sich im Niedergang der Leder- und Tuchindustrie, welche bis Ende der 1960er Jahre (Leder) bzw. Mitte der 1980er Jahre (Tuch) vollständig aus dem städtischen Wirtschaftsleben verschwinden. Mit der Räumung der drei im Stadtgebiet befindlichen Kasernen zwischen 1994 und 2003 endet die Geschichte Neumünsters als Garnisonsstadt.
(Bilder und Texte aus Wikipedia) |